
Die Rede Papst Benedikt XVI. hat in Politik und Medien weitgehenden Zuspruch
gefunden. Bei genauerer Betrachtung seiner Rede wird dies aber immer
unverständlicher.
Eines vorweg: Der Papst kann seine Leute besuchen, wann und wo er will.
Allerdings müssen diese Leute dann auch die Reise bezahlen. Der Besuch kostete
aber allein den deutschen Steuerzahler – zwei Drittel davon sind nicht
katholisch – an die 25 Millionen Euro. Benedikt kam nicht als Staatsmann, wie
er selbst feststellte, sondern als Vertreter der autoritären, undemokratischen
katholischen Kirche. In Staatsräumen wie dem Bundestag ist die Rede eines
Religionsführers deplaziert. Ein Empfang wie der des Dalai Lama hätte gereicht.
Zur Rede: Sie klingt in einigen Passagen überzeugend; z. B. wenn er sagt: „Die
Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein.“ Oder „Nimm das Recht weg ... und der
Staat ist nur noch eine große Räuberbande.“ Oder „Der Mensch kann die Welt
zerstören.“ Er sagt aber nicht, dass der Mensch die Welt auch erhalten und
weiter entwickeln kann. Hier scheinen Pessimismus und Angst durch; die
„Rettung“ kommt nach katholischer Auffassung nur von Gott, vermittelt über die
autokratische katholische Kirche.
Sehr positiv, wenn ernst gemeint, ist die Forderung nach einer Befreiung der Kirche von „...materiellen und politischen ... Privilegien“, also von Vorrechten, die in Deutschland immer noch erheblich und teuer sind. Man denke nur an die staatliche Einziehung der Kirchensteuer, an die staatliche Finanzierung der Bischöfe, an die Privilegien im Hochschulbereich, im Militär- und Justizwesen, die staatliche Finanzierung von kirchlichen Kindergärten, der Caritas usw.
Zu den von allen Bundestagsparteien erwünschten Inhalten, etwa wie es mit Europa
weiter gehen soll, zum Terrorismus, zur Sozial-, Entwicklungs-, Wirtschafts-
und Finanzpolitik, zu Rüstungsexporten usw. sagte der Papst – nichts.
Hauptanliegen des Papstes war die Verteidigung eines „Naturrechts“, das
angeblich von Gott gegeben sei und „über“ den von Menschen gemachten
Rechtssystemen stehe. Aus ihm heraus, also aus, wie die Kirche interpretiert,
von Gott gesetzte Naturrecht hätten sich etwa die Menschenrechte und andere
Grundrechte abgeleitet, wie sie z. B. im Grundgesetz stehen. Dies ist aber
grundfalsch. Wie auch der Papst wissen muss, wurden diese Rechte im Laufe der
letzten Jahrhunderte von weltlichen Humanisten und Aufklärern erdacht, gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erstritten und schließlich nach und nach in
die Rechtssysteme der europäischen Länder und vieler Länder in der Welt sowie
in die UN-Charta eingebaut.
Die Äußerungen des Papstes während seines Deutschlandbesuches können nur
verstanden werden, wenn man um das starr dogmatische Grundprinzip der
katholischen Kirche weiß und um die Angst, dass dieses Prinzip zusammen bricht,
wenn man daran rüttelt – und damit auch die außerordentliche Macht dieser
Kirche.
------------------------------------------
Nachtrag:
In Freiburg versammelten sich ca. 30.000 meist junge Menschen unter dreißig
Jahren zu einem „Gebetsvigil“ mit dem Papst, obwohl laut einer
„Shell-Jugendstudie“ nur noch 23 % der Zwölf- bis 25-jährigen an Gott glauben,
im Westen; im Osten viel weniger. Interessant war, dass bei einer Abstimmung
unter diesen Leuten vor dem Gebet auf die Frage: „Orientiert ihr euch in euerer
Lebensführung an der Meinung des Papstes?“ eine überwältigende Mehrheit mit
„Rot“, also mit „Nein“ abstimmte. Trotzdem lauschten sie, innig berührt, den
Worten des Papstes.
Ein Widerspruch? Logisch gesehen ja; aber er zeigt auf, dass junge Menschen – und nicht nur sie – gefühlsmäßig angesprochen werden wollen, dass sie sich begeistern wollen, sei es in Woodstock, bei einem Rock-, Pop-, Klassikkonzert, von Politikern wie Willy Brandt oder Mahatma Gandhi, aber auch von selbst ernannten Messiassen, wie die USA zeigen – oder eben vom Papst. Dies gelingt der katholischen Kirche nun schon seit vielen Jahrhunderten. Dies auch bei freigeistigen Vereinigungen zu organisieren ist eine noch zu lösende Aufgabe.
Das ist doch merkwürdig. Von fast allen Büchern kennt man den Autor. Dies gilt allerdings nicht für die Bücher, die anonym erscheinen mussten, weil ihre Autoren von der Verfolgung durch Kirche und weltliche Machthaber bedroht waren.
Aber die Bibel ? Wer schrieb eigentlich die Bibel, von welcher die Kirchen
voller Genugtuung berichten, dass es das am meisten gedruckte Buch der Welt sei
?
(Aber vielleicht doch nicht das am meisten gelesene ?).
Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass die Bibel von Gott gegeben sei und wer etwas anderes sagte, musste mit dem Schlimmsten rechnen.
Allerdings gab es schon sehr früh auch die Überlieferung, dass Moses eben der Urheber der fünf Bücher Mose sei, das Buch der Klagelieder wurde dem Propheten Jeremias und die Hälfte aller Psalmen dem König David zugeschrieben.
Die kritische Bibelforschung hat jedoch zur Frage der Urheberschaft der Bibel in den letzten 200 Jahren bedeutende Erkenntnisse gewonnen, die uns einen Blick hinter die Kulissen erlauben. So können wir heute erkennen, dass bei der Abfassung der ersten Bücher der Bibel auch die politischen und priesterlichen Interessen der damaligen Zeit eine große Rolle gespielt haben.
Die folgenden Auszüge aus dem Buch von Richard Elliott Friedmann : „Wer schrieb die Bibel“ ? (Anaconda Verlag, 2007) fassen die Ergebnisse der modernen Bibelforschung wie folgt zusammen:
Die fünf Bücher Mose
: 1) Genesis, 2) Exodus, 3) Levitikus, 4) Numeri und5) Deuteronomium haben
verschiedene Autoren und sie wurden zu verschiedenen Zeiten geschrieben.
Die jüdische und die
christliche Tradition hat die „Thora“ (hebr. = „Vorschrift“), bzw. das
„Pentateuch“ (grch. = „fünf Schriftrollen“) dagegen Moses selbst zugeschrieben,
obwohl dies aus den Texten nirgendwo hervorgeht.
Schon früh fand man
jedoch erste Widersprüche im Text selbst, vor allem in Form der sogenannten Dupletten, das sind Ereignisse, die
merkwürdigerweise gleich zweimal erzählt werden:
·
Ereignisse
werden in einer bestimmten zeitlichen Reihenfolge geschildert an anderer Stelle
die gleichen Ereignisse aber in anderer Abfolge.
·
Einmal
heißt es, eine bestimmte Sache sei zweimal vorhanden, dann wieder vierzehnmal.
·
Einmal
heißt es, die Moabiter seien für eine Aktion verantwortlich, an anderer Stelle
waren es die Midianiter.
·
Dann
begibt sich Moses zur Stiftshütte, bevor diese überhaupt errichtet worden war.
·
Es
werden auch Dinge berichtet, von denen Moses gar nichts gewusst haben konnte
und auch von Orten, an denen er niemals gewesen ist.
·
Und
schließlich wird sogar von Moses Tod berichtet, was wohl wirklich nicht von ihm
stammen kann.
Lange wurden Zweifel an der Autorenschaft von Moses mit dem Argument zurückgewiesen, Moses sei eben ein Prophet und dem sei eben alles möglich.
Doch bereits im 11.
Jh. wies Isaak ibn Yashush in Spanien darauf hin, dass eine inI. Moses 36 erscheinende Liste edomitischer
Herrscher die Namen von Königen enthielt, die erst lange nach Moses Tod gelebt
hätten. Das trug ihm den Spottnamen „Isaak der Tölpel“ ein.
Der erste der
aussprach, dass Moses den größten Teil des Pentateuch nicht geschrieben hat,
war der englische Philosoph Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert.
Alle Bücher, die
dies im Laufe der Zeit behaupteten, wie der Philosoph Spinoza, kamen auf den
Index und ihre Verfasser wurden verfolgt.
Heute wissen wir,
dass die fünf Bücher Mose eine Zusammenfassung von mehreren noch älteren
Quellen darstellen. Dies zeigt sich besonders deutlich an den Dubletten, wenn
die gleiche Geschichte zweimal erzählt wird, wie nämlich:
·
Die
Erschaffung der Welt
·
Der Bund
zwischen Gott und Abraham
·
Die
Namensgebung von Abrahams Sohn Isaak
·
Abraham
gibt sein Weib Sarah als seine Schwester aus
·
Die
Reise von Isaaks Sohn Jakob nach Mesopotamien
·
Die
Geschichte von der Himmelsleiter
·
Wie Gott
Jakob den Namen Israel gab
·
Wie Mose
aus dem Felsen Wasser schlug
Besonders
aufschlussreich aber ist, dass Gott in der einen Dublette konstant immer als Jahwe (Jehova), in der anderen Dublette
ebenso konstant als Elohim (hebr.
Gott) bezeichnet wird. Das wird in der jeweiligen Dublette konstant
durchgehalten.In der einen
Schöpfungsgeschichte nach der Quelle „J“
heißt Gott 11mal Jahwe und in der
anderen Schöpfungsgeschichte nach der Quelle „E“ 35mal Elohim.
Hieraus muss man
zwingend die Schlussfolgerung ziehen, dass jemand zwei verschiedene
Quellendokumente genommen hat, sie zerlegt und dann in Form einer einzigen,
fortlaufenden Erzählung wieder zusammengefügt hat. Beide Quellen müssten von
Verfassern stammen, die nach Moses gelebt haben.
Aber es kommt noch besser.
Anfang des 19. Jh. entdeckte man nämlich, dass es nicht nur zwei Quellen gab, sondern sogar vier. Zunächst stellte sich heraus,
dass es nicht nur viele Dubletten
gab, sondern sogar mehrere Tripletten.
Dazu kam, dass ein junger Doktorand nachwies, dass sich das 5. Buch Mose
sprachlich in verblüffender Weise von den übrigen vier Büchern unterschied:
dieses musste daher eine separate 4. Quelle sein.
Die Wissenschaft kennt heute also vier Quellen, die sie wie folgt bezeichnet:
J = Jahwe /Jehova
…………………………… und Fruchtbarkeitsreligion
E = Elohim
D = Deuteronomium = (nur 5. Buch Mose), später als J und E, früher als P.
P
Wer aber waren die
vier Autoren, fragt Richard E. Friedmann ? Wann haben sie gelebt ? Warum haben
sie geschrieben ? Und wer war schließlich der Redakteur, der die verschiedenen
Texte zu einer fortlaufenden Geschichte zusammengefasst hat ?
Die Antwort auf
diese Fragen ist in der jüdischen Geschichte zu finden.
Für das Volk der
Israeliten gibt es gesicherte Überlieferungen erst ab dem 12. Jahrhundert.
Von größter Bedeutung
ist, dass es in der folgenden Zeit 200 Jahre lang zwei Königreiche
nebeneinander gab: Israel im Norden
und Juda im Süden.
Hinzu kommt, dass
die Priester immer aus dem Stamm Levi
kamen und dass diese Priesterschaft erblich war. Der König war stets auf die
Unterstützung durch die Priester und Propheten angewiesen, ohne deren religiöse
Legimitation und Zustimmung konnte er weder ins Amt gelangen noch sich darin
halten.
Diese politischen
Gegebenheiten und die daraus resultierenden Konflikte waren für die Entstehung
der Bibel entscheidend und sie spiegeln sich in ihr wieder.
So wurde unter David
je ein oberster Rabbiner aus dem Süden und einer aus dem Norden eingesetzt, um
beide bisher getrennte Bevölkerungsteile zu befrieden, und zwar jeweils einer
aus den Abkömmlingen von Moses und von Aaron.
Dies bildet die
Grundlage für viele Gegensätzlichkeiten und Parteinahmen, die uns in den
verschiedenen Teilen der 5 Bücher Mose entgegentreten.
Nach Salomons Tod
kam es zu der politischen Zweiteilung des Landes:sein Sohn Rehabeam herrschte über Judäa
im Süden, sein Widersacher Jerobeam über Israel im Norden mit der
Hauptstadt Sichem.
In den 200 Jahren,
in denen die beiden Königreiche nebeneinander bestanden, lebten zwei der
Autoren, die an den 5 Büchern Moses geschrieben haben. Jeder verfasste seine
eigene Version der Geschichte seines eigenen Volkes.
Der Verfasser von J
stammt aus Judäa (Süden) und der
Verfasser von E aus Israel (Norden). Wenn wir die
Jahwe-Geschichten von den Elohim-Geschichten trennen, dann gibt es zwei
zusammenhängende Erzählungen, mit unterschiedlichen und gegensätzlichen
politischen Aussagen, welche die Interessen des jeweiligen Landesteiles
widerspiegeln.
E zeigt ein besonderes Interesse an König Jerobeam und dessen Politik.
Neben vielen anderen bezeichnenden Details streicht er die Rolle von Moses
besonders hervor, ganz im Gegensatz zu J.
E dürfte daher ein levitischer Priester aus Israel (Norden) gewesen sein,
wahrscheinlich aus Silo, der möglicherweise von Moses abstammte.
Eine Opposition gegen
Israel ergibt sich andererseits bei J,
wenn es in dessen Version der Gebote heißt:
„Du sollst Dir keine gegossenen
Götter machen“.
Wie das ? --Die goldenen Kälber im Tempel von König
Jerobeam im Norden waren gegossen, die goldenen Cherubim mit gleicher
religiöser Funktion im Süden bestanden aus vergoldetem Olivenholz. J aus dem Süden polemisiert gegen den Norden.
J beschäftigt sich zudem ausführlich
mit der Geschichte Judas, mit Davids Familie. J stammt vom judäischen Hof.
Daher zwei doch
ähnliche Geschichten: E-Geschichten konnten nicht in Judäa und J-Geschichten nicht in Israel
willkommen sein.
Wahrscheinlich
bestand die eine Version zuerst und die Gegenpartei hat sie ihren Zwecken
angepasst.
Die Forschung hat
aufgrund solcher Geschichtsbetrachtungen herausgefunden, dass der Verfasser J in Judäa in der Zeit zwischen 848-722
v. Chr. lebte und dass der Verfasser E
seine Version in Israel in der Zeit von 922-722 v. Chr. schrieb.
Nun könnte man die
Frage stellen, weshalb wurde nicht einer der beiden Texte einfach weggelassen ?
Wahrscheinlich waren aber beide Texte so bekannt, meint Friedmann, dass ein
Weglassen des einen oder des anderen nicht akzeptiert worden wäre.
Wahrscheinlich spiegelt die Vereinigung der beiden Texte zugleich die
Wiedervereinigung der beiden Gesellschaften nach 200 Jahren wider.
Von der Quelle P hat man herausgefunden, dass diese
aus Judäa stammt, wahrscheinlich aus Jerusalem. Der Verfasser dürfte ein
aaronitischer Priester gewesen sein, der zwischen 722-609 v. Chr lebte, zur
Zeit des Königs Hiskia.
Ganz anders die
Quelle D. Stets spielten große
historische Krisen beim Entstehen der Bibel eine besondere Rolle. So das Jahr
722 v. Chr. mit dem Fall Israels durch die Assyrer und das Jahr 587 v. Chr. mit
dem Fall Judäas durch Nebukadnezar und der Niederbrennung von Jerusalem.
Das Buch
Deuteronomium wurde angeblich auf geheimnisvolle Weise im Tempel aufgefunden,
aber die Wissenschaft hat nachgewiesen, dass es kurz zuvor geschrieben wurde.
Es sollte die Religionsreform von König Josia rechtfertigen. Die geschichtliche
Erzählung endet bezeichnenderweise mit König Josia.
Sodann hat man
herausgefunden, dass zwischen dem 5. Buch Mose und dem Buch Jeremia eine
besondere Beziehung besteht, indem nämlich beide Bücher sich stellenweise bis
in den Wortlaut ähnlich sind. Es besteht darüber hinaus ein auffälliger
Zusammenhang zwischen dem 5. Buch Mose und den nachfolgenden 6 Büchern: Josua, Richter 1. und 2. Buch
Samuel, 1. und 2. BuchKönige. Diese Bücher fasst man zusammen als „die frühen
Propheten“. Die begonnenen Themen werden darin weiterentwickelt. Diese Bücher
entstanden um das Jahr 622 v. Chr. und wurden wahrscheinlich von dem Propheten
Jeremias geschrieben. Dieser war König Josia wohlgesonnen und verfasste sogar
ein Klagelied auf ihn.
Schließlich fand
eine Vereinigung all dieser Texte statt, weil sie schon früh allein Moses
zugeschrieben wurden und weil sie allseits bekannt waren und man daher nichts
weglassen konnte. Der Gesamtredakteur war nach der Einschätzung von Richard E.
Friedmann ein aaronitischer Priester, vielleicht Esra.
Die Bibel entpuppt
sich damit als ein zutiefst menschliches Werk, im Guten wie im Bösen, in den
oft vorhandenen literarischen Qualitäten wie in den ebenso oft propagierten
Grausamkeiten. Sie ist vor allem auch ein Spiegelbild menschlicher Interessen
in der Zeit ihrer Entstehung.
Die Offenbarung
eines Gottes uns Menschen gegenüber ist sie aber nun wirklich nicht.
Eine der ältesten philosophischen Fragen überhaupt ist das Leib-Seele Problem.
Kann es eine Seele, losgelöst von unserer materiellen Existenz überhaupt geben?
Während fast alle Menschen mit ihrem Leib eine konkrete Erfahrung verbinden,
gelingt es kaum jemandem, die Seele näher zu fassen, sobald man nach konkreten
Einzelheiten fragt.
Es gilt wohl auch für die ‚Seele’, was Augustinus in seinen
Bekenntnissen über die ‚Zeit’ sagte: „Solange mich niemand danach fragt, ist mir’s, als wüsste ich es,
doch fragt man mich und ich soll’s erklären, so weiß ich es nicht mehr“.
Dennoch finden sich mythische Vorstellungen von einer irgendwie gearteten
„ätherischen Substanz“, welche parallel zu unserem Körper existiert, in allen
Kulturen und zu allen Zeiten.
Beispiele sind der hebräische „ruach“, der arabische „ruh“, der lateinische „spiritus“,
das griechische „pneuma“, im
Christentum der „geistliche Leib“ des
„soma pneumati-kon“ (etwa bei Paulus)
oder das „prana“ und die fünf
„koschas“ in der indischen Philosophie. (zitiert nach Thomas
Metzinger).
Diese Übereinstimmung beruht wohl darauf, dass die meisten Menschen intuitiv
eine unüberbrückbare Trennung zwischen ihren körperlichen und geistigen
Erfahrungen empfinden.
So gelangt man leicht zu einer als Dualismus bezeichneten Denkrichtung, die lange Zeit vorherrschte. Sie wurde schon von Platon
vertreten (wenn die Seele nach dem Tod unseren Körper überleben kann, dann muss
sie auch als getrennte Einheit existieren), sowie später von Descartes und in
jüngster Zeit von Karl Popper und John Eccles. Der Dualismus stößt jedoch unter
anderem auf die Schwierigkeit, dass es keinen Ort für die Wechselwirkung
zwischen Körper und Geist als getrennte Einheiten gibt. Descartes hoffte noch,
dies könnte die Zirbeldrüse sein.
Heute vertritt eine Mehrheit von Philosophen einen sogen.
Monismus als eine materialistische Position, welche davon ausgeht, dass
die „seelische Substanz“ mit der „körperlichen Substanz“ zusammenfällt. Auf
dieser Grundlage muss jedoch noch die Frage beantwortet werden, wie das
Bewusstsein materialistisch zu erklären ist.
Auch wäre nochmals darüber nachzudenken, ob die Seele und unser Bewusstsein ein
und dasselbe sind oder ob beide neben unserem Körper eine zweite und dritte
separierbare Einheit bilden.
Die Neurowissenschaften und die Kognitionsforschung haben in jüngster Zeit
durch ihre Beschäftigung mit dem Bewusstsein dem eine weitere Dimension
hinzugefügt.
Man beginnt davon auszugehen, dass sogar unser Bewusstsein, so wie wir es
subjektiv empfinden, in Wirklichkeit gar nicht existiert.
So schreibt der renommierte Philosoph und Bewußtseinsforscher Thomas Metzinger
in seinem soeben erschienenen Buch „Der Ego-Tunnel“:
„Wir stellen uns unser Ich oder Selbst als etwas Eigenständiges vor, als einen
Kern, den wir schon immer haben oder der wir im Innersten sind. Dieses „Selbst“
existiert gar nicht. Das bewusst erlebte Ich wird lediglich von unserem Gehirn
erzeugt, und was wir wahrnehmen ist nichts als ein „virtuelles Selbst“ in einer
„virtuellen Realität“.
Zum Beleg liefert er eine Vielzahl von Beispielen und Beobachtungen aus den
Neuro- und Kognitionswissenschaften. So haben manche Menschen, denen von Geburt
an ein Arm oder ein Bein fehlt, oft dennoch die Empfindung, diese Gliedmaßen zu
besitzen. Große Bedeutung kommt auch den so genannten „außerkörperlichen
Erfahrungen“ zu, wobei unser Bewusstsein unseren Körper verlässt und wir
diesen, darüber schwebend, von außen betrachten können.
Solche Erfahrungen, über welche zahlreiche Berichte vorliegen und welche bisher
als der beste Beleg für das Vorhandensein einer ‚Seele’ galten, werden von der
Wissenschaft keineswegs bestritten, sondern jetzt geradezu als Beweis für den
virtuellen Charakter unseres Bewusstseins herangezogen.
Wenn unser erlebtes Ich nach Metzinger eine virtuelle Schöpfung unserer
Hirnfunktionen ist, so knüpft sich daran natürlich die Frage, ob es überhaupt
eine Seele, oder was nicht damit zusammenfällt – einen freien Willen geben
kann.
In welcher Weise könnte hier Ernst Schrödinger eine Brücke zu schlagen, wenn er
sagt: „Ich bin als bewusst denkendes geistiges Wesen die Person, welche die
‚Bewegung der Atome’ in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen leitet“ ?
Mir scheint, dass sich aus dem bisher Gesagten unter anderem folgende
Konsequenzen ergeben:
Ohne Seele kein Gott, jedenfalls keiner, der sich um uns kümmert. Viele
übersehen, dass ohne die Annahme einer Seele auch unsere Gottesvorstellungen
obsolet werden. Denn wie sollen wir ihn je erfahren, wenn wir ihm weder im
diesseitigen noch im jenseitigen Leben begegnen?
Die Zeiten, als die Götter noch unter den Griechen wandelten, Moses Anweisungen
gaben und Jesus Christus die Toten wiedererweckte, sind mit der Aufklärung wohl
endgültig vergangen. Niemand hält es ernsthaft für möglich, dass sich auch
heute noch ein Gott in ähnlicher Weise den 6 Milliarden Erdenbewohnern
unmittelbar offenbart.
So bleibt nur die Möglichkeit, Gott nach diesem irdischen Leben zu begegnen und das könnte nur der Seele gelingen.
Die Seele ist das Vehikel, in das wir nach unserem Tod umsteigen. Sie ist das
Rettungsboot, in welchem wir beim Untergang unseres Lebensschiffes das Heil
suchen. Dies zeigt sich in vielen mythischen Vorstellungen, und so auch, wenn
Charon uns über den Styx übersetzt.
Die Seele ist auch eine Ausgeburt unseres biologischen Selbsterhaltungstriebes,
der stärksten Regung überhaupt, die uns beherrscht. Sie entspricht unserer
Neigung und unserem Bedürfnis, unsere durchaus berechtigten Wünsche und
Hoffnungen mit Bildern und Vorstellungen auszufüllen, die ohne eine solche
Hilfe eine für viele unerträgliche Leere hinterlassen würden. Wir füllen dieses
Vakuum provisorisch mit mythischen Bildern aus. Aber gerade wegen der erkennbar
subjektiven Genese dieser Seelenvorstellungen, bleibt die Frage, wie weit
diesen eine reale Existenz zukommen kann.
Weitere Punkte, die hier wegen der gebotenen Kürze nicht behandelt werden
können: