
Spruch der Woche:
Der Bund für Geistesfreiheit ist die Interessenvertretung der kirchenfreien Menschen mit freigeistiger, agnostischer, weltlich-humanistischer oder atheistischer Anschauung.
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Grundlagen
des Humanismus
Die Grundlagen des Humanismus lassen sich bis ins alte Griechenland zurückverfolgen. So vertraten bereits die Philosophen Heraklit und Protagoras den Lehrsatz: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“. Mit dem Beginn der Renaissance im 15. Jahrhundert etablierte sich der Humanismus als Gegenbewegung zur Scholastik. Man spricht daher auch vom Renaissance-Humanismus. Mit ihm ging ein kultureller und sozialer Wandel einher. Der berühmteste und einflussreichste Humanist der frühen Neuzeit war Erasmus von Rotterdam. Während des Zeitalters der Aufklärung wurde der Humanismus weiter untermauert. Werke wie die von Immanuel Kant zeigten, dass man eine Ethik auch ohne Religion, rein auf der Basis der praktischen Vernunft begründen kann.
Man kann den Humanismus anhand folgender Grundüberzeugungen definieren:
Obwohl der erste Punkt in Konflikt mit der christlichen Lehre steht, gab es dennoch eine Zeit, in der die katholische Kirche den Humanismus gefördert hat. So gilt Papst Pius II (1405 -1464) selbst als bedeutender Humanist. Trotzdem hat der Vatikan den Humanismus nie als eine dem Glauben übergeordnete Idee akzeptiert.
Humanismus und Atheismus
In den letzten Jahren kam der Begriff des „Neuen Atheismus“ auf. Als eine Zentralfigur dieser Bewegung kann man Richard Dawkins identifizieren, der mit seinem religionskritischen Buch „Der Gotteswahn“ Aufsehen erregt hat. Seitdem verbindet man mit dem Neuen Atheismus auch eine gewisse Respektlosigkeit vor dem religiösen Glauben. Genau genommen müsste eigentlich von Agnostizismus die Rede sein, weil sich die Neuen Atheisten nicht im Besitz absoluter Wahrheiten wähnen. Da sie aber von „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ reden, haben sie mit der Bezeichnung „Neue Atheisten“ in der Regel keine Probleme.
Atheismus ist im wesentlichen Religionskritik und daher für
sich genommen noch keine vollständige Weltanschauung. Was hier hinzukommen
muss, sind säkulare Werte und ein auf den Naturwissenschaften aufbauendes
Verständnis der Welt. In dieser Kombination wird neuerdings von einem „Neuen
Humanismus“ gesprochen. Die Frage stellt sich dann, was das Neue am Neuen
Humanismus ist. Der Neue Humanismus berücksichtigt vor allem die gewaltigen
Fortschritte der letzten Jahrzehnte in Naturwissenschaft, Technik und Medizin.
Diese Fortschritte haben zu einem erheblich verbesserten naturwissenschaftlich
fundierten Weltbild und Menschenbild geführt. Der Neue Humanismus trägt dem
Rechnung, indem er die Prämissen der Naturwissenschaften anerkennt und
übernimmt. Es sind dies:
Insbesondere die Prämisse des Naturalismus steht in eklatantem
Widerspruch zu den monotheistischen Religionen. Insofern kann es keine
Versöhnung zwischen Neuem Humanismus und diesen Religionen geben.
Schopenhauer
schreibt zum Thema christliche Lehre: „Der religiöse Glaubensakt ist eine
Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne gute Gründe. Denn gäbe es gute Gründe für
die christliche Lehre, dann wüssten wir sie und brauchten sie nicht zu
glauben.“
Werte und Ethik ohne Religion
Von Religionsvertretern wird häufig behauptet, dass es ohne Religion keine Ethik gäbe. Selbst viele Eltern, die vom Glauben abgefallen sind, lassen ihre Kinder dennoch am Religionsunterricht teilnehmen, weil sie der Meinung sind, dass ihnen nur auf diese Weise Werte vermittelt werden könnten. Diese Einstellung impliziert, dass Nichtgläubige über keine oder aber nur über eine minderwertige Ethik verfügen. Diese Haltung ist nicht nur überheblich, sondern auch restlos falsch.
Eine gottgegebene Ethik bereitet prinzipielle Probleme. Schon Sokrates hat erkannt, dass eine solche Ethik zu einem logischen Dilemma führt: Sind Gottes Gebote deshalb gut, weil Gott sie gebietet? Wenn ja, wäre es dann moralisch gerechtfertigt, Kinder zu foltern oder zu ermorden, wenn Gott ein entsprechendes Gebot aufstellte? Christen gehen davon aus, dass sie für ein gottgefälliges, moralisches Leben im Jenseits belohnt werden, indem sie ins Paradies kommen. Wer aber aufgrund von Heilsversprechen Gutes tut, der handelt letztlich aus niedrigen Beweggründen.
Die meisten Vertreter einer ausschließlich religiös fundierten Ethik wollen
nicht wahrhaben, dass es eine ganze Reihe von philosophischen Ansätzen für eine
Ethik ohne Religion gibt. Angefangen vom Hedonismus der Griechen (Epikur), über
das Zeitalter der Aufklärung (Kant, Schopenhauer) bis zum Utilitarismus der
Neuzeit (Bentham, Mill) gibt es eine Anzahl von gut fundierten philosophischen
Lehren, die ohne Mystik auskommen. Gerade
der moderne Utilitarismus in der Form des
Regelutilitarismus (nach Mill) mit Ergänzungen der Fairness und der
Gerechtigkeit (nach Lyons) ist der christlichen Ethik nicht nur ebenbürtig,
sondern weit überlegen, weil seine Quellen ausschließlich Verstand und
Erfahrung sind und weil auf Hokuspokus vollständig verzichtet wird. Eben
dadurch steht er aber auch mit seinen Grundlagen jeder religiösen Ethik
entgegen.
Bernd Vowinkel